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Förderungen vom Europäischen Forschungsrat

ERC Advanced Grants: Doppelerfolg für das Ruhr Innovation Lab

© Hengesbach​/​Marquard
Christof Weitenberg ist seit 2024 Professor an der TU Dortmund, wo er eine Forschungsgruppe zu ultrakalten Quantengasen leitet. Vilma Ruppienė ist seit 2021 Juniorprofessorin für Klassische Archäologie mit dem Schwerpunkt archäometrische Anwendungen an der Ruhr-Universität Bochum.
Der Europäische Forschungsrat (ERC) hat Professor Christof Weitenberg vom Fachbereich Physik der Technischen Universität Dortmund für einen der begehrten ERC Advanced Grants ausgewählt. Im Projekt „InToCold“ wird der Physiker exotische Quantenzustände mithilfe von ultrakalten Atomen untersuchen. Der ERC unterstützt das Vorhaben mit 3,5 Millionen Euro. Prof. Vilma Ruppienė von der Ruhr-Universität Bochum ist an einem ERC-Förderprojekt unter der Leitung von Prof. Dominik Maschek vom Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie in Mainz beteiligt. Insgesamt wurden im Rahmen der ERC-Ausschreibung für Advanced Grants 2025 mehr als 3.000 Anträge eingereicht, von denen im Juni nur 319 für eine Förderung ausgewählt wurden.

ERC Advanced Grant: InToCold

Prof. Christof Weitenberg ist seit 2024 Professor für ultrakalte Quantengase an der Fakultät Physik. Dort untersucht seine Arbeitsgruppe, wie sich Atome verhalten, wenn sie durch spezielle Laser- und Verdampfungskühlung auf extrem tiefe Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt gebracht werden. Diese ultrakalten Atome helfen den Forschenden dabei, Einblicke in das Verhalten von Quantenmaterie zu gewinnen. Um neuartige Experimente durchführen zu können, erhält der Physiker zusätzlich zu den 2,5 Millionen Euro, die ein ERC Advanced Grant über fünf Jahre umfasst, eine weitere Million Euro zur Finanzierung neuer Großgeräte.

„Unser Ziel ist es, im Labor exotische Materiezustände zu simulieren, die sonst nur in komplizierten Festkörpern vorkommen“, erklärt Prof. Weitenberg. „Dazu fangen wir ultrakalte Atome in sogenannten optischen Gittern aus Laserlicht ein, wo sie sich analog zu den Elektronen in einem Festkörper verhalten.“ Im Projekt InToCold stehen nun topologische Quantenzustände im Fokus. Damit diese exotischen Zustände entstehen, muss das Team die ultrakalten Atome in energetisch höhere Zustände der Gitterplätze bringen und außerdem starke Wechselwirkungen zwischen benachbarten Atomen erzeugen. Die entstehenden Quantenzustände werden die Forschenden dann mit einem neuartigen Mikroskop untersuchen, das eine effektive Auflösung von wenigen Nanometern ermöglicht. 

„Wir versprechen uns von den Experimenten neue Einblicke in das exotische Verhalten von topologischer Quantenmaterie, die in der Zukunft für topologische Quantencomputer relevant sein könnte“, sagt Weitenberg.

Über Prof. Christof Weitenberg

Prof. Christof Weitenberg studierte Physik und Komposition in Saarbrücken. Er promovierte 2011 an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ging anschließend für einen Postdoc-Aufenthalt an die École Normale Supérieure nach Paris. 2013 wechselte er als Arbeitsgruppenleiter an die Universität Hamburg und erhielt 2018 einen ERC Starting Grant zur Erforschung von Anyonen. Seit 2024 ist er Professor an der TU Dortmund und leitet eine Arbeitsgruppe zu ultrakalten Quantengasen.

ERC Bekanntmachung


Beteiligung an ERC Advanced Grant: ConstruEnS

Das Projekt „ConstruEnS“, an dem Prof. Vilma Ruppienė beteiligt ist, wird römische Monumentalbauten als Informationsquellen für Gesellschaft, Umwelt und Regierungsführung untersuchen. Der Antrag wurde von Prof. Dominik Maschek vom Leibniz-Zentrum für Archäologie in Mainz eingereicht.

Durch die Entwicklung innovativer Werkzeuge und Modelle zielt das Projekt darauf ab, einen Paradigmenwechsel in den Geisteswissenschaften einzuleiten: Römische Bauwerke sollen als einzigartige historische Archive dienen und Einblicke in vergangene Praktiken, Entscheidungsprozesse und Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt gewähren.

Die erhaltenen Überreste römischer Bauwerke am Rhein und an der Oberdonau bieten ideale Fallstudien: Mit den Flüssen als zentralen Verkehrs- und Mobilitätsadern wuchsen die neu gegründeten römischen Städte und ihr Hinterland vom frühen 1. bis zum 4. Jahrhundert rasch an. Das Bauwesen in diesen Städten brachte neue Techniken, Materialien, Versorgungsnetze und Fachkenntnisse mit sich. Das Projekt konzentriert sich auf Xanten, Köln, Mainz, Regensburg und Carnuntum.

Vilma Ruppienės Beitrag zum Projekt besteht darin, die Herkunft, Gewinnung und Versorgung der Bauvorhaben in den Städten entlang des Rheins und der oberen Donau mit Steinmaterialien zu untersuchen. Dabei geht es sowohl um Baumaterialien und architektonische Bauteile als auch um dekorative Natursteine für die Ausstattung von Gebäuden, etwa Wand- und Bodenverkleidungen in Thermenanlagen. Mithilfe archäometrischer Analysemethoden werden die verwendeten Steinarten bestimmt und – wenn möglich – ihre genaue Herkunft identifiziert. Die Kenntnis der verwendeten Steinressourcen ermöglicht es, die damit verbundenen logistischen und wirtschaftlichen Abläufe zu rekonstruieren. Dazu gehören insbesondere die Organisation des Steinabbaus, die Handels- und Versorgungsnetzwerke sowie die Transportwege zu Land, auf Flüssen und über das Meer bis hin zu ihrer Verwendung auf den Baustellen. Auf dieser Grundlage lassen sich auch Rückschlüsse auf Kostenkalkulationen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen großer Bauprojekte ziehen.

Über Prof. Vilma Ruppienė

Vilma Ruppienė ist seit 2021 Juniorprofessorin für Klassische Archäologie mit Einbeziehung archäometrischer Anwendungen an der Ruhr-Universität Bochum. Sie studierte zunächst Germanistik in Kaunas, Litauen, und anschließend Klassische Archäologie, Mineralogie und Geologie in Würzburg, Deutschland. Dort promovierte sie 2014 und arbeitete anschließend als wissenschaftliche Mitarbeiterin an verschiedenen archäologischen und archäometrischen Forschungsprojekten. Im Jahr 2021 erhielt sie ein Forschungsstipendium des Deutschen Archäologischen Instituts für das Forschungsprojekt „Inkrustationen aus dem Bereich des Nordtheaters in Gadara, Jordanien: Untersuchungen zur Vielfalt, Verwendung und Herkunft von Natursteinen“.