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Blühende Wissensmetropole

Das Ruhrgebiet

Die Ruhrregion hat in den vergangenen sechs Jahrzehnten einen tiefgreifenden Strukturwandel durchlaufen. Von Deutschlands führendem Revier der Kohle- und Stahlindustrie hat sie sich zu einer blühenden Wissensmetropole entwickelt, die mit über 20 Hochschulen und Universitäten mehr Bildungsinstitutionen beherbergt als jede andere Metropolregion Europas. Der Startschuss für diesen Transformationsprozess war die Gründung von Universitäten in Bochum, Dortmund, Duisburg und Essen. Heute bilden die Unis das Herzstück eines einzigartigen Innovationsökosystems, in dem Hochschulen immer enger mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Städten, Unternehmen und einer florierenden Start-up-Szene zusammenarbeiten. Dieses Netzwerk fördert nicht nur den Fortschritt in der Region, sondern dient auch als Reallabor für Transformationsprozesse weltweit.

Mit 53 Städten ist das Ruhrgebiet die Heimat von mehr als fünf Millionen Menschen. Hier vereinen sich die Vorteile des urbanen Lebens mit der Natur: Parks, Wälder, Seen und unser namensgebender Fluss, die Ruhr, laden zur Entspannung fernab vom Trubel ein. Auch abseits der grünen Oasen sind die Möglichkeiten, die Freizeit zu gestalten, schier grenzenlos. Ob bei Sportevents, in Bars und Restaurants, bei Konzerten oder in unseren zahlreichen kulturellen Einrichtungen – hier ist für alle was dabei.

Egal, wohin es einen verschlägt, die Spuren unserer Geschichte als Bergbauregion sind allgegenwärtig. Hier verschmelzen Industriekultur, Natur und Kunst zu einer einzigartigen Mischung. Naherholungsgebiete rund um alte Hochofenanlagen, Museen in ehemaligen Zechen oder Liegewiesen am Fuße stillgelegter Fördertürme – solche Erlebnisse findet man nicht überall. Im Ruhrgebiet verstehen wir es, uns ständig neu zu erfinden, ohne dabei unsere Wurzeln zu vergessen. Eine besondere Mischung, die unsere Region so lebenswert macht.

Wegweisende Erfindungen aus dem Ruhrgebiet

Innovation ist tief verwurzelt im Ruhrgebiet — einem Ort, an dem bahnbrechende Ideen seit Jahrhunderten die Industrie und den Alltag prägen. Von Mercators wegweisender Weltkarte über Nobels ersten Zündfunken bis hin zu Deutschlands erstem Internetanschluss gedeiht Innovation aus dem Ruhrgebiet bis heute — sie treibt Forschung, Technologie und Transformation für die Welt von morgen voran.

Im Jahr 1569 zeichnete der Gelehrte Gerhard Mercator in der Ruhrstadt Duisburg die Welt neu. Er fertigte die erste winkeltreue Weltkarte an, welche die Navigation für immer veränderte. Seine geniale und präzise Projektion machte es möglich, gerade Kurse zu bestimmen — ein Durchbruch, der bis heute Schiffe und Flugzeuge leitet. Mehr als 450 Jahre später prägt Mercators Erfindung dank GPS- und Satellitentechnologie weiterhin die Art und Weise, wie wir uns auf der Welt orientieren.

In den 1860er Jahren wurde Dortmund zum Ausgangspunkt von Alfred Nobels Initialzündung. Auf der Zeche Dorstfeld führte der schwedische Chemiker Sprengstoffexperimente durch, um Nitroglycerin sicherer zündbar zu machen — was zu einer bahnbrechenden Entdeckung führte. Der Durchbruch gelang ihm mit der Erfindung einer zuverlässigen Methode zur kontrollierten Detonation, durch die das instabile Sprengöl in handhabbares Dynamit verwandelt wurde. Aus diesem Funken in Dortmund entstand Nobels weltweites Vermächtnis.

Wer hätte gedacht, dass die weltweit schonendste Methode zur Entkoffeinierung von Kaffee in Mülheim an der Ruhr entdeckt wurde? 1967 testete der Chemiker Kurt Zosel am Max-Planck-Institut neue Verfahren zur Stofftrennung, als er herausfand, dass überkritisches Kohlendioxid Koffein schonend entfernen kann — ohne den Geschmack zu verändern oder schädliche Rückstände zu hinterlassen. Zosels unerwartete Entdeckung wurde zu einem weltweiten Erfolg und wird heute von großen Produzenten rund um den Globus eingesetzt.
Ein glücklicher Zufall getrieben von wissenschaftlicher Neugier — und ein weiterer Beweis dafür, dass Innovation im Ruhrgebiet seit Langem zum Alltag gehört.

Seit 1984 zeigt die H-Bahn der TU Dortmund als weltweit erstes fahrerloses Bahnsystem, wie die Mobilität der Zukunft aussehen wird — sie verbindet den Nord- und Südcampus sowie die Universität mit dem nahegelegenen Technologiepark. Auf zwei Linien und über vier Kilometer transportiert sie jährlich mehr als 1,6 Millionen Fahrgäste und ermöglicht Studierenden und Mitarbeitenden einen effizienteren und nachhaltigeren Zugang zu den Universitätsgebäuden.

Die H-Bahn kam durch einen glücklichen Umstand nach Dortmund: Prof. Reinhardt Jünemann erkannte das Potenzial eines ungenutzten Prototyps des Ingenieurunternehmens Siemens und setzte sich dafür ein, die weltweit erste fahrerlose Bahn an die TU Dortmund zu holen — wo sie zu einem dauerhaften Symbol für Mobilitätsinnovation wurde.

Im Herzen des Ruhrgebiets, an der TU Dortmund, begann Deutschlands Weg ins digitale Zeitalter. Mitte der 1980er Jahre verbanden vier Informatiker einen UNIX-Rechner namens „unido“ über das European UNIX Network (EUnet) mit Amsterdam — und brachten Deutschland damit erstmals online. Aus diesem mutigen Experiment entstand Deutschlands erster Internet Service Provider — ein Start-up mit Sitz im nahegelegenen TechnologieZentrum Dortmund (TZDO).

Eine in Dortmund gestartete Verbindung veränderte die Kommunikation für immer. Zu Ehren der vier Internet-Pioniere benannte die TU Dortmund eine Straße auf dem Campus „EUnet-Allee“.

Im Jahr 1989 entwickelten RUB-E-Techniker Prof. Dr. Wolfgang Weber und Weiqing Tian den ersten autonomen mobilen Roboter AUROMA (Autonomer Roboter für Multiple Anwendungen). Mit 20 Kilogramm Gewicht und 40 Zentimetern Höhe konnte AUROMA dank eingebauter KI und Sensoren selbständig Hindernisse erkennen, ihnen ausweichen und Wege optimieren. Drei Mikroprozessoren, neue Lernstrategien und KI-Lernverfahren machten dies möglich. Der preiswerte Bochumer Prototyp (unter 2.000 D-Mark) sollte als Bodenschätze-Suchgerät, Reinigungsmaschine oder Transportsystem zum Einsatz kommen. Weber sah AUROMA auch als Staubsauger durch viele Wohnzimmer fahren. Heute, rund 40 Jahre später, ist dies Realität.

Prof. Dr. Christoph von der Malsburg hat in seiner Zeit als Leiter des Bochumer Instituts für Neuroinformatik (1990 bis 2007) maßgeblich zur Entwicklung von Gesichtserkennungssystemen beigetragen. Seine Arbeiten zur Theorie der Selbstorganisation geordneter Faserverbindungen im visuellen System machten ihn zum Pionier auf diesem Gebiet. Von der Malsburg ist ebenso bekannt für seine Kritik an der Theorie der neuronalen Netze, nach der diese am Bindungsproblem leidet. Zu dessen Lösung formulierte er die Dynamic Link Architecture, ein System schnell schaltender Netzfragmente, angewendet zum Beispiel in Gesichtserkennungssystemen. Er selbst sagt dazu: „Meine Gesichtserkennung war ursprünglich gedacht, meine Kollegen und die Welt davon zu überzeugen, wie Objekterkennung im Gehirn funktioniert - durch Vergleich neuer Bilder mit einem invarianten Template.“

Quantencomputer könnten herkömmliche Verschlüsselungsverfahren mühelos brechen. Das US-amerikanische National Institute for Standards and Technology (NIST) rief daher 2016 einen Wettbewerb zur Entwicklung von quantencomputerresistenten kryptografischen Verfahren ins Leben. Vier Verfahren wurden im Finale ausgewählt und werden vom NIST als Standards zertifiziert; drei davon hat das Bochumer Exzellenzcluster CASA entwickelt. Der NIST-Standard gilt als eines der einflussreichsten Dokumente der IT-Sicherheit. Er wird erfahrungsgemäß von zahlreichen Unternehmen und Online-Diensten, wie Amazon, Paypal oder Google, übernommen.

Das leichteste Elektrofahrrad der Welt wurde in Dortmund gebaut: An der TU Dortmund konstruierte der Maschinenbauingenieur Dennis Freiburg ein E-Bike mit einem Gewicht von nur 6,872 kg — und erhielt dafür 2019 einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.
Mit Carbonfasern, maßgefertigten 3D-gedruckten Bauteilen und einem Motor aus einem ferngesteuerten Hubschrauber verwandelte er sein Promotionsprojekt in ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Sogar der Akku verbirgt sich in einer gewöhnlichen Trinkflasche.

Kreativität, Präzision und Beharrlichkeit vereint — das zeichnet Innovation aus dem Ruhrgebiet aus.

2021 hatte das Bochumer-Dortmunder Exzellenzcluster RESOLV besonderen Grund zur Freude: RESOLV-Mitglied Prof. Dr. Benjamin List erhielt den Nobelpreis. Gemeinsam mit David MacMillan hatte der Forscher vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr entdeckt, dass auch kleine organische Moleküle – nicht nur Enzyme und Metalle – Reaktionen beschleunigen und in die gewünschte Richtung lenken können. Sie können auch dafür sorgen, dass nur eines von zwei Enantiomeren entsteht, eine Fähigkeit, die für die Produktion medizinischer Wirkstoffe wichtig ist. List ist ein RESOLV-Forscher der ersten Stunde; schon als das Cluster 2012 in der ersten Exzellenzinitiative ins Rennen ging, war er mit an Bord.

Das Ruhrgebiet in Zahlen

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